Profis spielen Einzelwetten, ja aber ...
Zwischen professioneller Wettstrategie und finanzieller Realität
Wer sich intensiver mit Sportwetten beschäftigt, stößt früher oder später auf eine immer wiederkehrende Empfehlung: Wer langfristig erfolgreich wetten möchte, sollte Einzelwetten bevorzugen und auf riskante Kombinationswetten möglichst verzichten.Diese Empfehlung ist grundsätzlich nachvollziehbar. Bei Einzelwetten lässt sich jede Begegnung unabhängig analysieren, die eigene Einschätzung einer Wahrscheinlichkeit mit der angebotenen Quote vergleichen und der Einsatz gezielter bestimmen.
Doch bei aller Begeisterung für professionelle Wettstrategien wird ein entscheidender Gesichtspunkt häufig übersehen:
Selbst wer langfristig bessere Wahrscheinlichkeiten berechnet als der Buchmacher, benötigt erhebliches Kapital, um daraus nennenswerte absolute Gewinne zu erzielen.
Und genau hier beginnt das eigentliche Problem vieler ambitionierter Sportwetter.
Denn zwischen der theoretischen Möglichkeit, mit Sportwetten profitabel zu sein, und der praktischen Realität, davon seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, liegen Welten.
1. Warum professionelle Sportwetter Einzelwetten bevorzugen
Einzelwetten besitzen gegenüber Kombinationswetten einige wesentliche Vorteile.Bei einer Einzelwette muss lediglich ein einziges Ereignis richtig eingeschätzt werden. Bei einer Kombinationswette müssen dagegen sämtliche ausgewählten Ereignisse entsprechend den Wettbedingungen eintreten.
Besonders problematisch ist dabei, dass sich die Buchmachermargen mehrerer Wettmärkte bei Kombinationswetten wirtschaftlich verstärken können.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Ein Buchmacher bietet für zwei unabhängige Ereignisse jeweils eine Quote von 1,80 an. Die tatsächliche Eintrittswahrscheinlichkeit jedes Ereignisses beträgt 50 Prozent.
Die faire Quote wäre somit jeweils 2,00.
Bei einer Einzelwette mit 100 Euro Einsatz beträgt der statistische Erwartungswert des Nettogewinns:
0,50 × 180 Euro - 100 Euro = -10 Euro.
Das entspricht einem erwarteten Verlust von 10 Prozent des Einsatzes.
Wer beide Ereignisse kombiniert, erhält eine Gesamtquote von 3,24.
Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Ereignisse eintreten, beträgt jedoch lediglich 25 Prozent.
Der Erwartungswert dieser Kombinationswette lautet:
0,25 × 324 Euro - 100 Euro = -19 Euro.
Der erwartete Verlust steigt damit auf 19 Prozent des Einsatzes.
Dieses Beispiel verdeutlicht, weshalb Kombinationswetten mit negativem Erwartungswert besonders nachteilig sein können.
Allerdings wäre die pauschale Behauptung, Einzelwetten seien grundsätzlich profitabler, ebenfalls falsch. Auch eine Einzelwette kann einen schlechten Erwartungswert besitzen. Umgekehrt kann eine Kombination aus tatsächlich vorteilhaften Einzelwetten unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls einen positiven Erwartungswert aufweisen.
Entscheidend ist nicht allein die Wettart, sondern das Verhältnis zwischen tatsächlicher Wahrscheinlichkeit und angebotener Quote.
2. Das unterschätzte Problem: Gute Renditen bringen bei kleinen Einsätzen wenig Geld
Nehmen wir einmal an, ein Sportwetter erzielt über einen langen Zeitraum tatsächlich eine positive Kapitalrendite auf seine gesamten Wetteinsätze.Eine Rendite von beispielsweise 5 Prozent auf den gesamten Wettumsatz wäre bereits ein beachtliches Ergebnis, sofern sie auf einer ausreichend großen und aussagekräftigen Datenbasis beruht.
Doch was bedeutet das finanziell?
Betrachten wir einige einfache Rechenbeispiele.
| Gesamter Wettumsatz | ROI von 2 % | ROI von 5 % | ROI von 8 % |
|---|---|---|---|
| 1.000 € | 20 € | 50 € | 80 € |
| 5.000 € | 100 € | 250 € | 400 € |
| 10.000 € | 200 € | 500 € | 800 € |
| 25.000 € | 500 € | 1.250 € | 2.000 € |
| 50.000 € | 1.000 € | 2.500 € | 4.000 € |
| 100.000 € | 2.000 € | 5.000 € | 8.000 € |
Außerdem ist der gesamte Wettumsatz nicht mit dem verfügbaren Wettkapital gleichzusetzen. Ein vorhandenes Kapital kann über viele einzelne Wetten mehrfach eingesetzt werden.
Die Zahlen zeigen dennoch eindrucksvoll, worum es geht:
Selbst eine bemerkenswerte Rendite von 5 Prozent bedeutet bei einem gesamten Wettumsatz von 10.000 Euro lediglich 500 Euro Gewinn.
Und für diese 500 Euro müssen zunächst einmal die entsprechenden Wetten gefunden, analysiert und erfolgreich umgesetzt werden.
Hinzu kommen erhebliche Schwankungen, mögliche Gebühren, steuerliche Belastungen auf die Wettabgabe sowie der Zeitaufwand.
Wer mit einem monatlichen Wettbudget von 100 oder 200 Euro unterwegs ist, wird daraus selbst bei überdurchschnittlichen Fähigkeiten kaum ein regelmäßiges Zusatzeinkommen erzielen können.
3. Wie viel Wettumsatz wäre für 2.000 Euro monatlichen Gewinn notwendig?
Ein besonders interessantes Gedankenexperiment ist die Frage, welchen Wettumsatz ein erfolgreicher Sportwetter benötigt, um durchschnittlich 2.000 Euro monatlich zu verdienen.Bei einem angenommenen ROI von 5 Prozent ergibt sich:
2.000 Euro ÷ 0,05 = 40.000 Euro Wettumsatz pro Monat.
Bei einem ROI von lediglich 2 Prozent wären es bereits 100.000 Euro.
Und selbst bei einer außergewöhnlich hohen Rendite von 10 Prozent müssten monatlich noch 20.000 Euro umgesetzt werden.
| Angenommener ROI | Erforderlicher Monatsumsatz für 2.000 € |
|---|---|
| 2 % | 100.000 € |
| 3 % | 66.667 € |
| 5 % | 40.000 € |
| 8 % | 25.000 € |
| 10 % | 20.000 € |
Die Realität ist deutlich komplizierter.
Ein Sportwetter kann einen Monat mit erheblichen Gewinnen abschließen und anschließend mehrere Verlustmonate erleben.
Selbst ein langfristig positiver Erwartungswert garantiert keineswegs ein regelmäßiges monatliches Einkommen.
Wer seine Miete, Versicherungen und Lebenshaltungskosten aus Sportwetten finanzieren möchte, benötigt deshalb nicht nur Wettkapital, sondern zusätzlich erhebliche finanzielle Reserven.
4. Bankroll Management: Warum Profis nur kleine Teile ihres Kapitals einsetzen
Ein wesentliches Merkmal professionellen Wettens ist ein konsequentes Bankroll Management.Damit ist die Verwaltung des ausschließlich für Sportwetten vorgesehenen Kapitals gemeint.
Viele risikobewusste Strategien arbeiten mit relativ kleinen Einsätzen im Verhältnis zum verfügbaren Wettkapital.
Betrachten wir beispielhaft eine Einsatzhöhe von einem Prozent der Bankroll.
| Verfügbares Wettkapital | 1 % Einsatz je Wette | 2 % Einsatz je Wette |
|---|---|---|
| 500 € | 5 € | 10 € |
| 1.000 € | 10 € | 20 € |
| 2.500 € | 25 € | 50 € |
| 5.000 € | 50 € | 100 € |
| 10.000 € | 100 € | 200 € |
| 25.000 € | 250 € | 500 € |
Selbst bei einer attraktiven Quote von 2,00 beträgt der mögliche Nettogewinn einer gewonnenen Einzelwette nur 10 Euro.
Natürlich können über einen längeren Zeitraum zahlreiche Wetten abgeschlossen werden.
Doch es gibt keine Garantie, dass dabei ein positiver Gesamtertrag entsteht.
Vor allem darf die Bedeutung eines vernünftigen Kapitalmanagements nicht falsch verstanden werden.
Bankroll Management erzeugt keinen mathematischen Wettvorteil. Es kann lediglich dabei helfen, das Risiko eines vorzeitigen Kapitalverlustes zu begrenzen.
Wer dauerhaft Wetten mit negativem Erwartungswert abschließt, wird durch kleinere Einsätze nicht automatisch profitabel.
5. Der gefährliche Gedanke: Dann setze ich eben mehr!
An dieser Stelle entsteht für viele Sportwetter ein psychologisches Problem.Wer erkennt, dass sich mit Einsätzen von 5 oder 10 Euro kaum nennenswerte Gewinne erzielen lassen, kommt möglicherweise auf die Idee, seine Einsätze deutlich zu erhöhen.
Aus 10 Euro werden 50 Euro, später vielleicht 100 oder sogar 500 Euro.
Doch mit steigenden Einsätzen wächst nicht nur der mögliche Gewinn, sondern ebenso der absolute Verlust.
Ein Beispiel:
Ein Sportwetter verfügt über 1.000 Euro Wettkapital und setzt regelmäßig 100 Euro auf eine Einzelwette.
Damit riskiert er bei jeder Wette bereits 10 Prozent seiner gesamten Bankroll.
Nach fünf verlorenen Wetten wären bei gleichbleibenden Einsätzen bereits 500 Euro verloren.
Sein Kapital hätte sich halbiert.
Um von 500 Euro wieder auf 1.000 Euro zu kommen, wäre anschließend eine Rendite von 100 Prozent auf das verbliebene Kapital erforderlich.
Dieses Beispiel zeigt, wie schnell eine vermeintlich professionelle Strategie durch überhöhte Einsätze in ein erhebliches finanzielles Risiko umschlagen kann.
Besonders problematisch wird es, wenn verlorenes Geld durch noch höhere Einsätze zurückgewonnen werden soll.
Ein solches Verhalten ist keine professionelle Wettstrategie, sondern kann den Beginn einer gefährlichen Verlustjagd darstellen.
6. Die Buchmacher haben ebenfalls ein Wort mitzureden
Ein weiterer Punkt wird bei der Diskussion über professionelle Sportwetten häufig unterschätzt.Selbst wenn ein Sportwetter tatsächlich langfristig profitable Quoten identifiziert, bedeutet dies nicht automatisch, dass er seine gewünschten Einsätze dauerhaft platzieren kann.
Viele Buchmacher überwachen das Wettverhalten ihrer Kunden.
Dabei können beispielsweise ungewöhnlich erfolgreiche Wettmuster, systematische Quotenvergleiche oder wiederholte Wetten auf besonders attraktive Quoten auffallen.
Je nach Anbieter, Markt und rechtlichen Rahmenbedingungen können Einsatzlimits, Quotenkorrekturen oder Einschränkungen einzelner Wettmöglichkeiten die Folge sein.
Gerade sogenannte Softbookies, die sich stark am Freizeitkunden orientieren, stehen deshalb regelmäßig in der Kritik.
Ein Kunde, der langfristig verliert, ist wirtschaftlich interessant. Ein Kunde, der systematisch profitable Quoten ausnutzt, kann dagegen zum unerwünschten Geschäftsrisiko werden.
Allerdings unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der Buchmacher erheblich.
Einige Anbieter akzeptieren größere Einsätze professioneller Spieler, während andere deutlich restriktiver vorgehen.
Hinzu kommt, dass Einsatzlimits auch aus Gründen der Marktliquidität, des Risikomanagements, der Betrugsprävention und des Spielerschutzes entstehen können.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was nützt eine mathematisch profitable Wette, wenn der Buchmacher lediglich einen Einsatz von wenigen Euro akzeptiert?
Ein theoretischer Vorteil lässt sich nur dann wirtschaftlich nutzen, wenn entsprechende Wettmöglichkeiten tatsächlich verfügbar sind.
7. Value Betting: Der eigentliche Schlüssel – aber keine Garantie
Professionelle Sportwetter beschäftigen sich häufig mit dem sogenannten Value Betting.Dabei geht es darum, Wettquoten zu finden, deren angebotene Auszahlung im Verhältnis zur tatsächlichen Eintrittswahrscheinlichkeit zu hoch erscheint.
Ein Beispiel:
Ein Fußballverein besitzt nach eigener Analyse eine Siegchance von 55 Prozent.
Die faire Quote wäre:
1 ÷ 0,55 = 1,82.
Bietet ein Buchmacher für diesen Sieg eine Quote von 2,00 an, ergibt sich rechnerisch ein positiver Erwartungswert.
Bei einem Einsatz von 100 Euro lautet die Berechnung:
0,55 × 200 Euro - 100 Euro = +10 Euro.
Der theoretische Vorteil beträgt somit 10 Prozent des Einsatzes.
Das klingt hervorragend.
Allerdings existiert ein entscheidender Haken:
Die angenommene Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent muss auch tatsächlich zutreffen.
Und genau hier liegt die eigentliche Schwierigkeit.
Eine Wahrscheinlichkeit lässt sich bei einem zukünftigen Fußballspiel nicht einfach objektiv ablesen.
Sie muss geschätzt werden.
Statistische Modelle, historische Ergebnisse, Mannschaftsaufstellungen, Verletzungen, Spielstile und viele weitere Faktoren können dabei helfen.
Doch auch komplexe mathematische Modelle können falsche Einschätzungen liefern.
Wer seine eigenen Wahrscheinlichkeiten systematisch überschätzt, glaubt möglicherweise an einen Wettvorteil, der in Wirklichkeit überhaupt nicht existiert.
Deshalb ist eine positive Bilanz über einige Dutzend Wetten noch lange kein Beweis für professionelles Können.
8. Wie aussagekräftig sind 100 oder 200 erfolgreiche Einzelwetten?
Im Internet präsentieren zahlreiche Tipster und selbst ernannte Wettprofis ihre Erfolgsstatistiken.Häufig werden dabei Trefferquoten von 60 oder sogar 70 Prozent hervorgehoben.
Doch die Trefferquote allein sagt wenig über die tatsächliche Rentabilität aus.
Wer regelmäßig Quoten von 1,30 spielt, benötigt bereits eine Trefferquote von mehr als 76,9 Prozent, um ohne zusätzliche Kosten einen positiven Erwartungswert zu erreichen.
Bei einer Quote von 2,00 liegt die Gewinnschwelle dagegen bei 50 Prozent.
Außerdem können selbst längere Gewinnserien durch Zufall entstehen.
Ein anschauliches Beispiel:
Bei 100 unabhängigen Wetten mit einer tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeit von jeweils 50 Prozent beträgt die statistische Standardabweichung der Anzahl gewonnener Wetten fünf.
Eine Bilanz von 55 gewonnenen und 45 verlorenen Wetten wäre daher keineswegs ein überzeugender Beweis für einen nachhaltigen Wettvorteil.
Professionelle Bewertungen benötigen möglichst große Datenmengen, nachvollziehbare Quoten, dokumentierte Einsätze und eine angemessene statistische Auswertung.
Besonders wichtig ist außerdem, dass sämtliche verlorenen Wetten vollständig berücksichtigt werden.
Ein paar schöne Screenshots erfolgreicher Wettscheine ersetzen keine überprüfbare Langzeitstatistik.
9. Die unterschätzte Größe: Zeit ist ebenfalls Kapital
Neben dem finanziellen Wettkapital spielt ein weiterer Faktor eine wesentliche Rolle: die eigene Arbeitszeit.Wer Sportwetten ernsthaft analysiert, benötigt unter Umständen mehrere Stunden täglich.
Dazu gehören die Auswertung statistischer Daten, die Entwicklung eigener Wahrscheinlichkeitsmodelle, Quotenvergleiche, die Beobachtung von Mannschaftsinformationen und die Dokumentation der Ergebnisse.
Auch die fortlaufende Kontrolle und Verbesserung eigener Prognosemodelle kann erheblichen Aufwand verursachen.
Nehmen wir an, ein ambitionierter Sportwetter investiert monatlich 60 Stunden in seine Analysen.
Er erzielt dabei einen Nettogewinn von 300 Euro.
Sein rechnerischer Stundenverdienst beträgt somit lediglich 5 Euro.
Und das unter der Voraussetzung, dass überhaupt ein Gewinn erzielt wurde.
In Verlustmonaten kann die gesamte investierte Arbeitszeit ohne finanziellen Ertrag bleiben.
Hinzu kommt das Risiko, das eingesetzte Kapital teilweise oder vollständig zu verlieren.
Wer professionelle Sportwetten mit einer gewöhnlichen Erwerbstätigkeit vergleicht, sollte deshalb nicht nur die erzielten Gewinne betrachten, sondern auch den Zeitaufwand und die finanziellen Risiken berücksichtigen.
10. Sportwetten als Beruf: Für wenige möglich, für die meisten unrealistisch
Es gibt Menschen, die sich professionell mit Sportwetten beschäftigen und damit wirtschaftlich erfolgreich sind.Dazu zählen beispielsweise spezialisierte Datenanalysten, mathematisch orientierte Wettprofis und Akteure, die große Datenbestände mit eigenen Prognosemodellen auswerten.
Manche arbeiten mit automatisierten Systemen, professionellen Datenanbietern oder größeren Kapitalressourcen.
Doch daraus sollte keineswegs der Schluss gezogen werden, dass professionelle Sportwetten für durchschnittliche Freizeitspieler ein realistischer Weg zur finanziellen Unabhängigkeit sind.
Denn erfolgreiche Wettprofis benötigen in der Regel mehrere Voraussetzungen gleichzeitig:
Eine nachweislich profitable Methode, ausreichendes Risikokapital, Zugang zu geeigneten Wettmärkten, konsequentes Kapitalmanagement und die Fähigkeit, längere Verlustphasen finanziell zu überstehen.
Schon das Fehlen einer dieser Voraussetzungen kann ein professionelles Wettmodell wirtschaftlich unbrauchbar machen.
Zudem sind die Erfolgsgeschichten im Internet häufig deutlich sichtbarer als die vielen gescheiterten Versuche.
Dieses Phänomen wird als Survivorship Bias bezeichnet.
Man betrachtet vor allem diejenigen, die erfolgreich geblieben sind, während die zahlreichen erfolglosen Teilnehmer kaum wahrgenommen werden.
Dadurch kann ein verzerrtes Bild entstehen, wie wahrscheinlich langfristiger wirtschaftlicher Erfolg tatsächlich ist.
11. Die deutsche Wettsteuer und ihre Auswirkungen
In Deutschland spielt auch die steuerliche Behandlung von Sportwetten eine Rolle.Nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz unterliegen Sportwetten grundsätzlich einer Steuer von 5,3 Prozent auf den Wetteinsatz.
Steuerschuldner ist dabei grundsätzlich der Wettveranstalter.
Wie die wirtschaftliche Belastung an die Kunden weitergegeben wird, unterscheidet sich zwischen den Anbietern.
Einige berücksichtigen entsprechende Kosten in ihren angebotenen Quoten, andere können sie durch Abzüge oder unterschiedliche Preismodelle wirtschaftlich weiterreichen.
Für die Beurteilung einer Sportwette ist deshalb nicht allein die beworbene Quote entscheidend.
Relevant ist vielmehr, welche tatsächliche Auszahlung nach den jeweiligen Wettbedingungen verbleibt.
Ein vermeintlicher Quotenvorteil kann durch entsprechende Abzüge erheblich schrumpfen oder sogar vollständig verschwinden.
Gerade bei professionellen Wettmodellen mit vergleichsweise kleinen mathematischen Vorteilen können solche Unterschiede entscheidend sein.
12. Warum das Kapitalproblem häufig zu riskanteren Wettformen führt
Hier schließt sich ein interessanter Kreis.Viele Sportwetter wissen durchaus, dass Einzelwetten gegenüber großen Kombinationswetten Vorteile bei der Kontrolle des Risikos bieten können.
Gleichzeitig erscheint ihnen der mögliche Gewinn einer einzelnen Wette bei kleinen Einsätzen wenig attraktiv.
Eine Einzelwette mit 10 Euro Einsatz und einer Quote von 1,80 bringt im Erfolgsfall lediglich 8 Euro Nettogewinn.
Eine Kombinationswette mit fünf Begegnungen und jeweils derselben Quote erreicht dagegen eine Gesamtquote von rund 18,90.
Bei 10 Euro Einsatz winken damit rechnerisch rund 179 Euro Nettogewinn.
Das wirkt wesentlich attraktiver.
Doch unter der vereinfachten Annahme unabhängiger Ereignisse und einer tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeit von jeweils 50 Prozent liegt die Wahrscheinlichkeit, alle fünf Begegnungen richtig vorherzusagen, bei lediglich 3,125 Prozent.
Das bedeutet, dass die Kombination unter diesen Annahmen im Durchschnitt nur ungefähr einmal bei 32 Versuchen vollständig gewonnen wird.
Die hohen möglichen Auszahlungen gehen somit mit einer entsprechend geringen Eintrittswahrscheinlichkeit einher.
Gerade der Wunsch, mit wenig Kapital möglichst hohe Gewinne zu erzielen, kann Spieler also zu Wettformen verleiten, die besonders große Schwankungen und erhebliche Verlustrisiken aufweisen.
Der scheinbare Ausweg aus dem Kapitalproblem kann dadurch zum eigentlichen finanziellen Problem werden.
13. Die entscheidende Frage: Ist eine gute Wettstrategie überhaupt wirtschaftlich sinnvoll?
Eine mathematisch profitable Strategie muss nicht automatisch eine wirtschaftlich sinnvolle Beschäftigung sein.Nehmen wir einen Sportwetter, der nach langer Entwicklungsarbeit tatsächlich einen kleinen positiven Erwartungswert erzielt.
Er benötigt dafür kostenpflichtige Statistikdaten, technische Hilfsmittel und mehrere Stunden täglicher Arbeit.
Gleichzeitig kann er aufgrund seines begrenzten Wettkapitals und möglicher Einsatzlimits nur relativ kleine Beträge platzieren.
Am Ende bleiben möglicherweise einige Hundert Euro Jahresgewinn.
Die Strategie wäre unter diesen Voraussetzungen zwar mathematisch erfolgreich, wirtschaftlich jedoch kaum attraktiv.
Daraus ergibt sich eine grundsätzliche Erkenntnis:
Eine positive Rendite auf Wetteinsätze ist nicht gleichbedeutend mit einem angemessenen Ertrag auf das eingesetzte Kapital, die investierte Arbeitszeit und das übernommene Risiko.
Genau diese Unterscheidung wird in vielen Diskussionen über professionelle Sportwetten zu selten vorgenommen.
14. Fazit: Profis spielen Einzelwetten – aber davon leben ist eine ganz andere Geschichte
Die Empfehlung, Einzelwetten gegenüber umfangreichen Kombinationswetten zu bevorzugen, besitzt durchaus eine nachvollziehbare mathematische Grundlage.Einzelwetten ermöglichen eine transparentere Bewertung einzelner Ereignisse und erleichtern die Kontrolle des eingesetzten Kapitals.
Doch daraus folgt keineswegs, dass jeder disziplinierte Sportwetter automatisch Gewinne erzielen kann.
Noch weniger bedeutet es, dass sich aus einer kleinen Bankroll ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaften lässt.
Wer langfristig einen positiven Erwartungswert erzielen möchte, muss zunächst einmal bessere Wahrscheinlichkeiten einschätzen können als die Wettmärkte.
Selbst wenn dies gelingt, bleibt das Kapitalproblem bestehen.
Ein kleiner mathematischer Vorteil führt bei geringen Wettumsätzen lediglich zu entsprechend kleinen erwarteten Gewinnen.
Wer die Einsätze deshalb unverhältnismäßig erhöht, riskiert wiederum erhebliche Kapitalverluste.
Hinzu kommen die Buchmachermargen, mögliche Einsatzlimits, steuerliche Belastungen, der Analyseaufwand und die unvermeidlichen statistischen Schwankungen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Professionelles Wetten beginnt nicht mit hohen Einsätzen, sondern mit einer realistischen Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten, Kapitalbedarf und Verlustrisiken.
Für die große Mehrheit der Sportwetter dürfte es wesentlich vernünftiger sein, Sportwetten als kostenpflichtige Freizeitbeschäftigung zu betrachten und nicht als verlässliche Einnahmequelle.
Denn die entscheidende Frage ist nicht nur, ob man langfristig bessere Quoten findet als andere.
Die entscheidende Frage ist auch, ob der mögliche finanzielle Ertrag den Aufwand und das eingegangene Risiko überhaupt rechtfertigt.